Natur in Neuenkamp

Tiere in der Umgebung des Naturfreuendehauses Neuenkamp I


Entlang der südexponierten Grade der Wupperhänge beginnend von Leverkusen-Imbach stromaufwärts nach Leichlingen und in einigen Seitentälern wie dem Murbachtal existieren Reste von Traubeneichenbeständen (Quercus petrea) meist oberhalb der Rotbuchenbestände. Entlang der Waldränder sind zudem noch einige stattliche Stieleichen (Quercus robur) zu finden. Hier gibt es eine noch sehr gut entwickelte Population des Hirschkäfers Lucanus cervus – einem unserer größten heimischen Käfer.

Tiere in Neuenkamp

Die Fauna sonniger Mischwälder und Waldränder mit Eichenbestand ist besonders artenreich und schützenswert. Ausschlaggebend ist der Erhalt der Waldrandstrukturen und dass sich Totholz im Wald anreichern kann. Besonders Trauben- und Stieleichen weisen im Kronenbereich stets einen gewissen Anteil Totholz auf, der besonders für viele Insekten wertvoll ist. Astlöcher, Spechthöhlen und Laubholzstümpfe, die im Boden verbleiben dürfen, fördern eine spezifische Tierwelt. Zu den erwähnenswerten Insektenarten im Umfeld von Leichlingen-Balken gehören Feldmaikäfer, Sägebock, Goldglänzender und Trauer-Rosenkäfer, Nashornkäfer, Balkenschröter (der kleinere Verwandte des Hirschkäfers) und noch beträchtliche Vorkommen des Kleinen Leuchtkäfers (Johanniswürmchen). 2020 wurde auch erstmalig eine weitere besonders geschützte Schmetterlingsart, der Russische Bär (Callimorpha / Euplagia quadripunctaria), in Leichlingen-Balken dokumentiert. Der schwer beobachtbare Schillerfalter, der um Roderbirken fliegt, konnte ebenfalls in den vergangenen Jahren fotografisch an einer blutendenden Eiche am Waldrand beim Sinneswald dokumentiert werden. Wahrscheinlich ist auch der Blaue Eichenzipfelfalter hier zu finden, auch wenn diese Art wegen ihrer Lebensweise in den Baumkronen schwer beobachtbar ist. Aufgrund des hohen Anteils stehenden Totholzes sind zudem viele interessante Totholz- und Pilzspezialisten zu finden, wie verschiedene Faulholzmotten (z.B. Harpella forficella). 

Neben all diesen Insekten sind für das gesamte Waldgebiet Murbachtal und Leichlingen-Balken sowie Hüscheider-Bachtal und Wupperhänge der Uhu, der Waldkautz, Grün- und Buntspecht, Waldschnepfe, zahlreiche weitere Singvögel (darunter auch die Goldammer), verschiedene Fledermäuse sowie Feuersalamander, Ringelnattern und Blindschleichen nachgewiesen.

Abbildung 1: Zwei männliche und drei weibliche Hirschkäfer (Lucanus cervus), Juli 2013. Der Hirschkäfer ist eines der größten heimischen Insekten und war einst durch das Ausräumen von Totholz, das als Nahrung der Larven dient, aus den Wäldern bedroht. Heute erholen sich die Bestände, wo der Lebensraum es zulässt. Hier in Neuenkamp und Balken fliegen jedes Jahr noch viele Tiere (Foto: Sascha Eilmus).

Abbildung 2: Viele der schönen Bäume hier um uns herum sind Traubeneichen (Quercus petrea). Diese Eichenart kommt besonders gut auf trockenen Standorten zurecht. (Quelle: Franz Eugen Köhler, Köhler’s Medizinal-Pflanzen)

Abbildung 3: Weiblicher Sägebock (Prionus coriarius), Juli 2020. Auch der Sägebock gehört zu den großen heimischen Insekten. Seine Larven entwickeln sich im Wurzelholz verschiedener Bäume. Die erwachsenen Käfer nehmen keine Nahrung mehr zu sich. Im rasanten Flug kann man sie hier in warmen Sommerabenden und -nächten entdecken (Foto: Reinhold Rieder).

Abbildung 4: Feldmaikäfer (Melolonthamelolontha), April 2020. Der Maikäfer fliegt alljährlich in Leichlingen-Balken und Umgebung, wenn auch nicht immer zahlreich. Künstliche Lichtquellen wie Straßenlaternen irritieren die Tiere und sorgen für unnötige Todesfälle. Zwar können Maikäfer bei zu häufigem Auftreten Pflanzen schädigen, gleichzeitig sind diese großen Käfer und ihre Larven – die Engerlinge – wichtige Nahrungsquellen für viele Insektenfresser und Vögel (Foto: Sascha Eilmus).

Abbildung 5: Nashornkäfer (Oryctesnasicornis). In sehr warmen Sommernächten fliegen in Leichlingen auch die Nashornkäfer. Ihre Larven entwickeln sich im morschen Eichentotholz, aber auch in Komposthaufen und Pferdemist (Foto: Sascha Eilmus).


Tiere in der Umgebung des Naturfreundehauses Neuenkamp II

Schutzstaus und Konsequenzen am Beispiel des Hirschkäfers

Der Hirschkäfer wird in der Roten Liste Deutschlands als stark gefährdet geführt und in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) der EU in Anhang II als Schirmart gelistet. Die nationalen Behörden sind aufgefordert, zum Schutz dieser Art besondere Schutzgebiete im Rahmen des Netzes Natura 2000 einzurichten.

Das Hauptgebiet des Hirschkäfers in Leichlingen und Umgebung ist nicht als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Murbachtal und Leichlingen-Balken und die angrenzenden Wälder und Waldränder liegen nur teilweise in Landschaftsschutzgebieten. Dafür befinden sich größere Bereiche im Naturpark Bergisches Land, was jedoch bislang kaum Auswirkungen auf aktiven Natur- und Landschaftsschutz hat. Immer wieder kommt es zur (versehentlichen) Entnahme der nur noch wenigen verbliebenen, aber ökologisch wertvollen Traubeneichen. Eine weitere Bebauung in Leichlingen-Balken und Leverkusen-Neuenkamp ist zu begrenzen.

Ideal für den Erhalt der Tierwelt ist eine Einstufung der Wälder und Waldränder im Murbachtal und Leichlingen-Balken als Naturschutzgebiete, ein expliziter Schutz der Trauben- und Stieleichen inklusive der Chance auf Naturverjüngung sowie der Extensivierung der noch verbliebenen Mähwiesen und Äcker. Diese könnten wieder in ihren historisch ursprünglichen Zustand zu blumenreichen Streuobstwiesen entwickelt werden. Zusätzlich sollten neue Konzepte erarbeitet werden, um eine schonendere Freizeitnutzung des Naturraums als Naherholungsgebiet sicherzustellen, ohne dass Wildtiere und Vegetation dadurch zu sehr beunruhigt oder geschädigt werden. 

Ziel ist es, mindestens den gegenwärtigen Status zu erhalten und idealerweise ökologische Verbesserungen zu erreichen. Der Offenland Stiftung ist es dabei wichtig, dass sich für Anwohner, Eigentümer und Kultureinrichtungen in diesem Bereich keine wesentlichen Änderungen gegenüber der derzeitigen Nutzungssituation ergeben. Wir sind uns sicher, dass die Wahrnehmung der unmittelbaren heimatlichen Umwelt gestärkt werden muss, womit eine höhere Lebensqualität einhergeht. 

Der Offenland Stiftung ist es ein großes Anliegen, in diesem Zusammenhang die Städte Leichlingen und Leverkusen zu beraten, aber auch praktisch zur Seite zu stehen. Lassen Sie uns gemeinsam die noch verbliebenen Naturräume und Arten, zu deren Schutz wir verpflichtet sind, für kommende Generationen erhalten.

Wenn Sie Lust haben, mehr über die heimische Natur zu erfahren,
kontaktieren Sie uns unter

www.offenland.info.

Abbildung 6: Der Große Schillerfalter Apatura iris (hier an der Mosel im Juni 2020 aufgenommen) kommt auch bei uns in Leichlingen vor, wird aber nur selten beobachtet (Foto: Sascha Eilmus).

Abbildung 7: Russischer Bär Euplagiaquadripunctaria(hier Juni 2019 an der Mosel). Im August 2020 konnten wir die Art erstmals in Balken finden. Diese Art ist eine der wenigen Insektenarten der FFH-Richtlinie Anhang II und besonders schutzwürdig (Foto: Sascha Eilmus).

Abbildung 8: Violettflügelige Holzbiene (Xylocopaviolacea), April 2020 in Balken. Die für Bienen riesige Violettflügelige Holzbiene konnten wir 2020 erstmalig in Balken beobachten. Sie bedarf Totholz als Nistmaterial und ein möglichst warmes Kleinklima. (Foto: Sascha Eilmus).

Abbildung 9: Der C-Falter (Polygonia c-album) ist einer von ca. 20 Tagfalterarten, die sich jedes Jahr hier am Waldrand beobachten lassen. Er überwintert als erwachsener Falter und ist daher bereits im zeitigen Frühjahr zu finden (Foto: Sascha Eilmus).

Abbildung 10: Eine lebende Eiche mit viel Totholz. Solche Eichen sind wahre Schätze, denn sie bieten über Jahrhunderte ideale Lebensbedingungen für zahlreiche Arten (Foto: Sascha Eilmus).

Abbildung 11: Feuersalamander sind typische Bewohner des Bergischen Landes. In totholzreichen Wäldern mit Bächen wie hier kann man sie noch entdecken (Foto: Sascha Eilmus).